ESD-PROTEX

ESD-Arbeitskleidung nach Norm

ESD-Arbeitskleidung nach Norm: wer welche braucht und worauf es ankommt

Ein Pullover aus Kunstfaser trägt Ladung, und er trägt sie dort, wo die Hände arbeiten. In einer EPA ist Kleidung deshalb keine Privatsache, sondern eine Schutzmaßnahme wie die Tischmatte darunter.

Zum Fachbeitrag

Handelsübliche Arbeitskleidung ist in einer EPA nicht neutral. Kunstfasern laden sich beim Bewegen auf, bei trockener Luft im Winter stärker als im Sommer, und die Ladung sitzt am Oberkörper. Von dort ist es kein weiter Weg zu einem Bauteil in der Hand.

Deshalb wird Kleidung in einer EPA festgelegt und nicht dem Geschmack überlassen. Wer die Festlegung trifft, ist im Betrieb geregelt: der ESD-Beauftragte oder der ESD-Koordinator. Dieser Artikel erklärt die Grundlagen dahinter, er ersetzt keine betriebliche Anweisung.

Zwei Konzepte

Wer welche Kleidung braucht

Die erste Frage ist nicht, welches Kleidungsstück das beste ist. Sie lautet, wie lange jemand in der EPA ist. Daraus ergeben sich zwei Konzepte, und sie schließen sich nicht aus. In vielen Betrieben laufen beide parallel.

Über der Privatkleidung

Zeitweiser Aufenthalt

Deckt die eigene Kleidung ab, ohne dass sie gewechselt werden muss. Gedacht für Personen, die die EPA für einen Handgriff, eine Prüfung oder eine Besprechung betreten.

Passende Produktgruppen

  • Arbeitsmäntel
  • Sweatjacken mit langen Ärmeln
  • Besucherkittel

Worauf es ankommt

Lange Ärmel und ein Verschluss bis oben. Ein offener Mantel deckt nichts ab.

Anstelle der Privatkleidung

Ganztägige Arbeit

Ersetzt die eigene Kleidung am Oberkörper. Gedacht für Personen, die ihren Arbeitstag in der EPA verbringen und dort nicht ständig eine zweite Schicht tragen wollen.

Passende Produktgruppen

  • T-Shirts
  • Poloshirts
  • Sweatshirts

Worauf es ankommt

Passform und Größenspanne. Was spannt, wird offen getragen oder gar nicht.

Kapuzenpullover sind eine Alternative zur Sweatjacke, geführt werden sie auf Anfrage. Am breitesten ist die Auswahl bei den Arbeitsmänteln, und für sie liegt auch ein Widerstandsbereich vom Hersteller vor. Die Übersicht der Arbeitsmäntel mit Größen und Materialangaben führt die Modelle mit ihren Ärmelvarianten und Taschen.

Vier Punkte

Worauf es bei ESD-Kleidung ankommt

Die Kleidung von ESD-PROTEX erfüllt nach Herstellerangabe EN 1149-1 und EN 61340-5-1. Damit ist die Grundfrage beantwortet. Was sonst über die Eignung entscheidet, hängt an vier Punkten, und drei davon stehen in keinem Prüfbericht.

01

Die Leitfähigkeit sitzt im Gewebe

Die Karbonfaser ist eingewebt, keine Beschichtung. Das ist der Unterschied zu einer antistatischen Ausrüstung, die sich mit der Zeit abwäscht.

02

Belegter Widerstandsbereich

Für die Arbeitsmäntel gibt der Hersteller 10⁶ bis 10⁹ Ω an. Eine Angabe, die im Audit vorgelegt werden kann, ist mehr wert als das Wort „antistatisch“ auf dem Etikett.

03

Material und Tragedauer passen zusammen

Wer acht Stunden darin arbeitet, braucht ein anderes Gewebe als jemand, der den Mantel für zehn Minuten überzieht. Baumwoll- und Modalanteile entscheiden darüber, ob die Kleidung getragen wird.

04

Größen für alle, die hinein müssen

Die Spanne reicht von XS bis 5XL. Fehlt eine Größe, trägt die betroffene Person am Ende etwas anderes, und die Festlegung im Kontrollprogramm ist Papier.

Ein Punkt liegt außerhalb der Kleidung, deshalb fehlt er oben: Kleidung erdet niemanden. Sie deckt ab, was sich sonst auflädt. Die Ableitung übernehmen andere Elemente.

Kleidung

Deckt die isolierende Privatkleidung ab.

Schuhe und Boden

Führen die Ladung der stehenden und gehenden Person ab.

Handgelenkband

Erdet am sitzenden Arbeitsplatz, wo die Schuhe den Boden kaum berühren.

ESD-PROTEX

ESD-PROTEX im Detail

ESD-PROTEX ist die eigene Kleidungsmarke der ESD-Protect GmbH. Gefertigt wird ausschließlich in Europa. Die Ableitfähigkeit kommt aus Karbonfasern, die in das Gewebe eingewebt sind, nicht aus einer Ausrüstung, die auf den Stoff aufgebracht wird. Der Unterschied zeigt sich erst nach einiger Zeit im Waschgang.

Polo- und T-Shirts

Ganztägige Arbeit in der EPA, anstelle der Privatkleidung

Gewebe, Beispiel

96 % Baumwolle, 4 % Karbon

Widerstand

keine Herstellerangabe

Arbeitsmäntel

Zeitweiser Aufenthalt, über der Privatkleidung

Gewebe, Beispiel

64 % Polyester, 33 % Baumwolle, 3 % Karbonfaser

Widerstand

10⁶ bis 10⁹ Ω

Sweatjacken

Zeitweiser Aufenthalt, über der Privatkleidung

Gewebe, Beispiel

48 % Baumwolle, 48 % Modal, 4 % Leitfaser

Widerstand

keine Herstellerangabe

Kapuzenpullover

Alternative zur Sweatjacke

Gewebe, Beispiel

48 % Baumwolle, 48 % Modal, 4 % Leitfaser

Widerstand

10⁶ bis 10⁹ Ω

Lieferbar auf Anfrage.

Größen XS bis 5XL. Die Gewebeangaben sind Beispiele, das Sortiment führt je Gruppe mehrere Zusammensetzungen. Wo keine Widerstandsangabe steht, nennt der Hersteller für diese Gruppe keine.

Welche Modelle es je Gruppe gibt, mit Ärmelvarianten und Taschen, steht nicht hier. Das führt die Markenseite zu ESD-PROTEX mit den Kategorien dahinter.

Im Betrieb

Richtig tragen und nachweisen

Geschlossen tragen. Ein offener Mantel deckt die Privatkleidung darunter nicht ab, und das Abdecken ist seine ganze Aufgabe. Dasselbe gilt für die Schicht darüber: eine private Fleecejacke über dem ESD-Kittel hebt dessen Wirkung auf.

Erden kann die Kleidung nicht. Sie hält Ladung von der Privatkleidung fern, abführen müssen sie Schuhe und Boden, am sitzenden Arbeitsplatz das Handgelenkband. Ob ein Kleidungsstück nach Monaten im Waschgang noch die zugesagten Werte hält, zeigt keine Sichtprüfung. Das zeigt nur eine Messung, und dafür gibt es die Textilmessung.

Kurz beantwortet

Häufige Fragen

01Welche ESD-Kleidung braucht wer?

Die Auswahl gibt in der Regel der ESD-Beauftragte oder ESD-Koordinator des Betriebs vor. Sie hängt am Kontrollprogramm der Fertigung, nicht am persönlichen Geschmack.

Grob gibt es zwei Konzepte. Wer sich nur zeitweise in der EPA aufhält, trägt ableitfähige Kleidung über der Privatkleidung, also einen Arbeitsmantel oder eine Jacke mit langen Ärmeln. Wer dort ganztägig arbeitet, ersetzt die Privatkleidung, dafür sind Shirts und Sweatshirts gedacht.

02Wie wird ESD-Arbeitskleidung richtig getragen?

Geschlossen. Ein offener Arbeitsmantel deckt die isolierende Privatkleidung darunter nicht ab, und genau das ist seine Aufgabe. Reißverschluss oder Druckknöpfe gehören bis oben zu.

Darüber kommt nichts Isolierendes, also keine private Fleecejacke und keine Warnweste ohne ESD-Eignung. Und die Kleidung wirkt nur als Teil der Kette. Ohne ESD-Schuhe, ableitfähigen Boden und am sitzenden Arbeitsplatz ein Handgelenkband bleibt die Person eine Ladungsquelle, an der die Kleidung nichts ändert.

03Was macht gute ESD-Kleidung aus?

Dass die Ableitfähigkeit im Material sitzt und nicht darauf. Bei ESD-PROTEX ist die Karbonfaser eingewebt. Sie ist keine Beschichtung, die sich abwaschen oder abtragen lässt.

Dazu kommt das, woran Kleidung im Alltag scheitert: Passform und Größenspanne, damit sie geschlossen getragen werden kann, ohne zu spannen, und ein belegter Widerstandsbereich, den sich ein Auditor vorlegen lassen kann. Kleidung, die nicht passt, wird offen getragen, und dann nützt das beste Gewebe nichts.

04Bleibt die Ableitfähigkeit nach vielen Wäschen erhalten?

Das Wirkprinzip spricht dafür. Eingewebte Karbonfasern verschwinden beim Waschen nicht, anders als eine antistatische Ausrüstung, die auf das Gewebe aufgebracht wird.

Sicherheit über den Zustand eines konkreten Kleidungsstücks gibt aber nur die Messung. Wer den Widerstand in festen Abständen prüft und protokolliert, erkennt eine Veränderung, bevor sie zum Problem wird. Eine allgemeine Zahl von Waschgängen, nach der Kleidung zu tauschen wäre, lässt sich nicht angeben, sie hängt am Waschverfahren und an der Beanspruchung.

05Reicht ESD-Kleidung allein aus?

Nein. Kleidung ist ein Element im ESD-Schutz, neben Personenerdung, Boden, Schuhen und der Ausstattung des Arbeitsplatzes.

Sie deckt die Privatkleidung ab und verhindert, dass sich dort Ladung aufbaut und in Richtung empfindlicher Bauteile entlädt. Die Person selbst erdet sie nicht. Das leisten Schuhe zusammen mit einem ableitfähigen Boden, am sitzenden Arbeitsplatz das Handgelenkband.

06Was gilt für Besucher, die nur kurz in die EPA kommen?

Für Besucher und für Personal, das nur gelegentlich hineingeht, ist Kleidung über der Privatkleidung der übliche Weg. Dafür gibt es Besucherkittel, die schnell an- und ausgezogen sind.

Der Kittel allein genügt nicht. Auch ein Besucher braucht eine Erdung über Schuhe oder Fersenbänder, und er muss wissen, was er nicht anfassen soll. Die Festlegung dazu gehört in die Zutrittsregelung der EPA, nicht in eine Einzelfallentscheidung an der Tür.

Ein guter erster Schritt liegt nicht im Katalog, sondern in einer Liste: wer arbeitet wie lange in der EPA. Daraus ergibt sich, wer einen Mantel braucht und wer Kleidung anstelle der Privatkleidung. Wer diese Liste hat, kommt mit einem Anruf weiter als mit einem Vergleich.